Der Ukraine-Gipfel in Berlin zeigt eine strategisch agierende Ukraine, die eine ungünstige Ausgangslage aktiv zu ihren Gunsten nutzt. Die über die Trump-Administration lancierte Initiative des Kremls – die faktisch auf eine Teilkapitulation der Ukraine und eine Schwächung europäischer Sicherheitsinteressen hinausliefe – wird von Kyjiw nicht einfach abgewehrt, sondern kommunikativ und diplomatisch umgelenkt.
Präsident Selenskyj nutzt den Gipfel gezielt, um die politischen Beziehungen zu den europäischen Partnern zu vertiefen und zugleich Einfluss auf die US-Administration zu nehmen. Ein substantieller Waffenstillstand oder gar ein belastbarer Friedensprozess erscheint kurzfristig zwar wenig wahrscheinlich. Dennoch verschiebt Kyjiw durch seine Präsenz und Gesprächsbereitschaft die Wahrnehmung: Die Ukraine präsentiert sich als konstruktiver Akteur, während Blockaden klar dem Kreml zugeordnet werden.
Gleichzeitig stärkt das Treffen die sich herausbildende „Koalition der Willigen“ in Europa. Die intensive Abstimmung zentraler Akteure in Berlin festigt politische Koordination und Prioritätensetzung – selbst dann, wenn die konkrete Initiative erwartbar scheitern sollte. In diesem Sinne erzielt die Ukraine bereits durch den Prozess selbst einen strategischen Gewinn.